G8-Protest
Offene Briefe und Musterbriefe
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Offener Brief von Ingrid Abraham-Tripp; Mutter zweier Kinder

Zukunft braucht Bildung

Ingrid Abraham-Tripp
Starweg 5
63768 Feldkahl 1.1.2004

Zukunft braucht Bildung

Um dem G 8 zu einer echten Chance zu verhelfen - ja, ich bin überzeugt, dass das trotz aller Kritik möglich ist, - müssen an dem Konzept, so wie es bisher bekannt geworden ist, einige Änderungen vorgenommen werden. Für die Qualität des Gymnasiums sollte die Dauer der Schulzeit eher zweitrangig sein. Entscheidend ist vielmehr, was in diesen Jahren wie gemacht wird.

Zunächst sollte man sich über die Ziele der Reform im Klaren sein!

1. Verringerung der Gymnasialzeit, um mit den anderen deutschen wie auch internationalen Jugendlichen gleich gestellt zu sein 2. Früherer Eintritt ins Berufsleben bzw. Beginn mit dem Studium 3. Verringerung der Wiederholungsjahre 4. Erhöhung der Anzahl an Abiturienten (Bayern im internationalen Vergleich weit abgeschlagen! "Zukunftsprogramm" CSU-Landtagsfraktion Jan. 2003) 5. Den Lehrern Mut machen, inhaltlich an der Reform mitzuarbeiten, denn sie sind wesentlich an deren Erfolg beteiligt

Im Folgenden meine Vorschläge:

1. Gleicher Stoff kann nicht in weniger Zeit bewältigt werden!

Der neue Lehrplan ist optisch schon auf Verkürzung eingestellt, inhaltlich ist er es aber nicht wie das KM immer wieder betonte. Auch ein Gymnasiast braucht Zeit, den neuen Unterrichtsstoff aufzunehmen, Zeit für Wiederholung und Vertiefung, Zeit zum Herstellen von Verknüpfungen neuer Lerninhalte. Hier muss die Verkürzung der Zeit am Gymnasium als echte Chance begriffen werden, den bisherigen Lehrplan zu entschlacken und auf überflüssiges Detailwissen zu verzichten. Vermehrter Nachmittagsunterricht hat zur Folge, dass weniger Zeit für die bisher üblichen Hausaufgaben bleibt. In Ländern mit Ganztagsunterricht sind die schriftlichen Aufgaben in der Schulzeit ( 9.00 - 15.15 Uhr ) erledigt. Es muss "nur" noch die nicht zu unterschätzende "Lernarbeit" zu Hause geleistet werden.

2. Verringerung der Anzahl der Fächer in einer Jahrgangsstufe

13 - 15 verschiedene Fächer jeweils in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 sind bei weitem zu viel!! ( Selbst fleißige Studenten haben pro Semester nicht so viele verschiedene Fächer!) In den Ländern, die schon seit Jahren den Ganztagsunterricht haben, wie z.B. Amerika, Australien und Neuseeland, werden pro Jahrgangsstufe nicht mehr als 7 Fächer unterrichtet! Diese 7 Fächer werden täglich, d.h. intensiv und mit 3-5 Stunden pro Woche unterrichtet. Schüler wie Lehrer sind ständig mit der für diese Klassenstufe relevanten Inhalte beschäftigt. Hausaufgaben für "nur" 7 Fächer sind auch überschaubarer. Die Schüler schaffen es, auf 7 Gleisen gleichzeitig zu fahren. 15 Gleise sind aber eindeutig zu viel! Auch Baden - Württemberg kommt mit weniger Fächern aus!

3. Reduzierung der Prüfungen

Bei bis zu 15 Fächern gibt es pro Halbjahr eine schier unüberschaubare Anzahl von Prüfungen. Dieses Problem löst sich von selbst mit einer sinnvollen Verringerung der Anzahl der unterrichteten Fächer.

4. Vermeidung von Wiederholungsjahren

Wiederholungsjahre sind oft verlorene Jahre. Auch hier sollte man über verbesserte Möglichkeiten von Nachprüfungen nachdenken.

5. Arbeitsbelastung der Lehrer

Die Arbeitsbelastung der Lehrer könnte im G 8 mit verringerter Fächerzahl reduziert werden.

Wenn ein Fach in einer Jahrgangsstufe mehr Stunden als bisher zugewiesen bekommt, in einer anderen Jahrgangsstufe dieses Fach dafür entfällt, bedeutet das, dass der Lehrer sich insgesamt auf weniger Jahrgangsstufen und Klassen einstellen muss. Seine Arbeit kann so sinnvoll gebündelt werden. Sollte die Nachmittagspräsenz eingeführt werden, müsste jedem Lehrer ein eigener Arbeitsplatz, der den arbeitsrechtlichen Vorschriften entspricht, zur Verfügung gestellt werden. Meint "Präsenz" Arbeit mit dem Schüler, kann der Lehrer sich gleichzeitig weder auf den nächsten Tag vorbereiten noch sinnvolle Korrekturen der Schülerarbeiten durchführen. Hier muss etwas mehr Ehrlichkeit und Offenheit seitens der Politik angemahnt werden!

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass dem Bayerischen Staat nicht nur an dem "Wirtschaftsfaktor Schule", sondern vor allem an den Betroffenen, d.h. den Schülern - unser aller Zukunft - gelegen ist!

Ingrid Abraham-Tripp

(Mutter zweier Kinder, die schon das Gymnasium hinter sich haben, deren Kinder in 3 verschiedenen Ländern Schulen besucht haben, Wählerin im Freistaat Bayern, die sich immer noch für die Belange der lobbylosen Kinder engagiert)