G8-Protest
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Offener Brief CSU-Mitglieder an Frau Kultusministerin Hohlmeier

Offener Brief

CSU-Mitglieder an Frau Kultusministerin Hohlmeier

Zur Verkürzung der gymnasialen Schulzeit(G8)

Wir sind Mitglieder der CSU, können aber die Auffassung und die Vorgehensweise der bayerischen Staatsregierung in dieser Sache nicht teilen.

Warum sollen wir in Bayern ohne zwingende sachliche Notwendigkeit eine bewährte Schulart wie das 9-jährige Gymnasium um ein Jahr verkürzen, wenn sich fast alle anderen Bundesländer in ihren neuen Leistungsstandards an uns orientieren und unsere Schüler im Rahmen der Pisa-Studie überdurchschnittliche Ergebnisse vorweisen können? (Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Leseleistung und Zeitaufwand für muttersprachlichen Unterricht!)

Nach der deutschen Wiedervereinigung stand das Gymnasium auch zur Debatte, aber wir haben gegen Ganztages- und Gesamtschulzeitgeist an unserem auf Allgemein- und Persönlichkeitsbildung ausgerichtetem Konzept festgehalten. Und die Zeit hat uns recht gegeben! Das 8-jährige Gymnasium blieb nur in Sachsen und Thüringen bestehen, deren Studenten z.B. an bayerischen Universitäten die höchsten Misserfolgsquoten aller Bundesländer aufweisen (Quelle: Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und –planung).

Außerdem beschneiden wir, wenn das Qualitätsniveau gehalten werden soll, durch den umfangreichen Nachmittagsunterricht das Erziehungsrecht der Eltern. Die Familie zu stärken und zu schützen war immer schon ein Fundament konservativer Politik im besten Sinne. Warum also hier flächendeckend eingreifen, wo nur lokal Bedarf an ganztägigen Schulformen mit Betreuungsangeboten besteht?

Dass wir im Freistaat ein überaus reiches, lebendiges Vereinsleben haben, das unsere Kinder und Jugendlichen musikalisch, sportlich, sozial fördert und gemeinschaftlich einbindet, ist Teil bayerischen Selbstbewusstseins. Wollen wir ernsthaft in Kauf nehmen, dass Vereine, Musikschulen, Pfarrjugenden usw. durch eine zunehmende Verschulung Nachwuchs verlieren und so austrocknen? Sie wirken doch identitätsstiftend daran mit, dass sich junge Menschen vor Ort verwurzeln, woraus wiederum Verantwortungsgefühl und Engagement für die heimatliche Umgebung erwachsen!

Seit Jahrzehnten haben wir in Bayern solide Mehrheiten für die CSU, u.a. als Ergebnis einer berechenbaren, dialogfähigen Politik. Warum sollen wir diesen gewachsenen Vertrauensbonus ohne Not durch eine völlig überhastete Schulgesetzänderung in Frage stellen?
Erst müssen doch die neuen Inhalte und Strukturen sorgfältig erarbeitet werden, damit man erkennen kann, worin überhaupt die Vorteile dieser Reform liegen sollen; diese Begründung bleibt auch Ihr Schreiben vom 19.12.2003 schuldig. Eltern und Lehrer müssen als Mitverantwortliche in diesen Prozess einbezogen werden und dürfen nicht einfach überrollt werden. Auch unsere Abgeordneten brauchen detaillierte Informationen und die notwendige Zeit, um diese weitreichende Entscheidung verantwortlich und kompetent treffen zu können. Denkbar wäre ja auch ein Nebeneinander gymnasialer Schulformen (s. Bericht der Bildungskommission), was vor allem in Ballungsräumen je nach Kind und Familiensituation Wahlmöglichkeiten zuließe.

Deshalb fordern wir Sie auf

  • uns die Gründe mitzuteilen, die die Staatsregierung zu diesem übereilten Verfahren veranlasst haben
  • Eltern und Lehrer in den Entscheidungsprozess demokratisch einzubinden mit dem Ziel eines konsequent durchdachten Reformgymnasiums mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung
  • ausreichend Zeit zu gewähren, um die Öffentlichkeit detailliert zu informieren und deshalb den für den 21. Jan.04 geplanten Landtagsbeschluss zu vertagen.

Bad Brückenau:
Oskar Bott
Emilie Greger
Hans-Jörg Heidelmeier

Staatsbad Bad Brückenau:
Dr. Hans-Otto Bott
Michael Günther
Udo Zeiger

Wernarz:
Thomas Dill

Eckarts:
Conni Müller-Gehr-Bögelein
Manfred Libner
Georg Salzer << Zurück zur Musterbrief-Übersichtsseite