G8-Protest
Offene Briefe und Musterbriefe
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Protestbrief an Politiker mit Email-Adressen

Absender/Datum:

Herrn Ministerpräsident
Dr. Edmund Stoiber
Bayerische Staatskanzlei
Franz-Josef-Strauß-Ring 1
80539 München
FaxNr: 089/294044
e-mail: dr.edmund@stoiber.de

Frau Staatsministerin
Monika Hohlmeier
Bayer. Staatsministerium
für Unterricht und Kultus
80327 München
FaxNr: 089/2186-2800
e-mail: monika.hohlmeier@stmuk.bayern.de

Herrn
Siegfried Schneider
Mitglied des Landtags
Marktplatz 22
85072 Eichstätt
FaxNr: 08421/4093
e-mail: mdl@siegfried-schneider.de

Herrn Joachim Unterländer
Mitglied des Landtags
Joseph-Seifried-Straße 8
80995 München
e-mail: unterlaender-j@t-online.de

Herrn
Dr. Ludwig Spaenle
Mitglied des Landtags
Virchowstraße 27
80805 München
FaxNr: 089/36102695
e-mail: ludwig.spaenle@t-online.de

Herrn
Georg Eisenreich
Mitglied des Landtags
Maximilianstraße 40
80539 München
FaxNr: 089/25544345
e-mail: info@georg-eisenreich.de

Herrn
Dr. Otmar Bernhard
Mitglied des Landtags
Maximilianeum
81627 München
FaxNr: 089/4126-1471
e-mail: dr_bernhard@t-online.de

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Stoiber,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Hohlmeier,
sehr geehrte Herren Abgeordnete Schneider, Dr. Bernhard, Eisenreich, Dr. Spaenle und Unterländer

mit Unverständnis und großer Sorge habe ich die Ankündigungen zur Umgestaltung des bayerischen Gymnasiums in der Regierungserklärung hören und lesen müssen. Nachdem Sie die endgültigen Entscheidungen zur Umsetzung dieses Vorhabens demnächst treffen, halte ich es für notwendig, dass auch wir Eltern in der Verantwortung für unsere Kinder Sie auf die Konsequenzen Ihrer Pläne hinweisen und einige Fragen an Sie richten.

Um, wie angekündigt, den Qualitätsstandard des Gymnasiums halten zu können, müssen die annähernd gleichen Inhalte künftig in acht, statt wie bisher in neun Jahren vermittelt werden. Das bedeutet, dass sich der Pflichtunterricht in den Jahrgangsstufen 5 - 10 um jeweils durchschnittlich vier Wochenstunden erhöhen muss. Glauben Sie ernsthaft, dass Ausbildung zeitlich beliebig komprimierbar ist? Haben Sie sich überlegt, ab wann die Grenzen der Aufnahmefähigkeit erreicht und welche Ergebnisse bei 34 bis 38 Unterrichtsstunden pro Woche zu erwarten sind? Haben Sie überhaupt eine Vorstellung, wie unsere Schulen einen faktischen "Ganztagsbetrieb" organisieren sollen und wie sich das auf den familiären Tagesablauf auswirken wird?

Sie wollen moderne Unterrichtsmethoden, begabungsgerechte Förderung und Persönlichkeits-bildung am Gymnasium auch künftig sichern. Dazu sind - bei allen Fachleuten unbestritten - möglichst kleine Lerngruppen, die Möglichkeiten für individuelle Zuwendung und auch außerunterrichtliche Zusatzangebote notwendig (wie musische und sportliche Neigungsgruppen, Klassenfahrten, etc.). Woher soll die Schule bei dem gedrängten Pflichtprogramm des G8 die für aufwendigere moderne Methoden benötigte, zusätzliche Zeit nehmen? Wie sollen angesichts des Spardiktats kleinere Lerngruppen realisiert werden? Welche Schüler und Lehrer wollen Sie nach der immensen Unterrichtsbelastung noch für zusätzliche Aktivitäten motivieren?

Sie begründen die Verkürzung der gymnasialen Ausbildungszeit mit verbesserten Chancen unserer Jugendlichen auf dem globalen Arbeitsmarkt. Kennen Sie die Studie von Prof. Heller, wonach nur ca. 25% eines heutigen Gymnasiastenjahrgangs dieses G8 unbeschadet überstehen werden? Wollen Sie wirklich riskieren, dass die Zahl der Repetenten und Schulabbrecher wahrscheinlich drastisch steigen sowie die Abiturientenquote deutlich sinken wird?

Jede Schule kann nur mit hochmotiviertem und qualifiziertem Lehrpersonal erfolgreich sein. Erwarten Sie sich von den zusätzlichen Belastungen (wie der geplanten Arbeitszeitverlängerung) für die Lehrer und den anstehenden Personal- und Sachmittelkürzungen etwa einen Motivationsschub?
Glauben Sie, dass sich durch ständige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wirklich ein qualifizierter Nachwuchs im Lehramt gewinnen lässt ?

Das Bildungsniveau unserer Kinder wird - wie auch Sie immer wieder betonen - die Zukunft unseres Landes wesentlich bestimmen. In unserer gemeinsamen Verantwortung für die junge Generation fordere ich Sie eindringlich auf, die Einführung des G8 als Regelschule zu revidieren! Verhindern Sie, dass aus dem Gymnasium eine kalte, umbarmherzige Lernfabrik wird! Widmen Sie sich vielmehr der qualitativen Verbesserung des Gymnasiums und vernünftigen Arbeitsbedingungen für die Lehrer/innen! Damit werden Sie eine breite Unterstützung bei uns Eltern, bei Lehrern und Schülern finden und letztlich unser aller Zukunftschancen erhöhen. Sie wollten Ihr herausragendes Wahlergebnis für verantwortungsvolle Entscheidungen nutzen. Auch als Eltern werden wir Sie beim nächsten Wahlgang an dieser Aussage bewusst messen.

Mit freundlichen Grüßen << Zurück zur Musterbrief-Übersichtsseite