G8-Protest
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Das 8-jährige Gymnasium (G8), die Sparbeschlüsse und die Folgen

LUDWIGSGYMNASIUM MÜNCHEN
gegründet 1824
Sprachliches Gymnasium. Humanistisches Gymnasium
Fürstenrieder Str. 159a 81377 München
Telefon: (089) 7145511 Fax: (089) 7193472
Elternbeirat

Das 8-jährige Gymnasium (G8), die Sparbeschlüsse und die Folgen

Liebe Eltern!
Wie Sie aus der Presse und dem Rundschreiben des Personalrats vor Weihnachten entnommen haben, wird der Bayerische Landtag im Januar 2004 über die Einführung des 8-jährigen Gymnasiums (und zwar schon ab der diesjährigen 5. Klasse) entscheiden. Der Elternbeirat unserer Schule ist keineswegs grundsätzlich gegen diese Verkürzung, hält die jetzt geplante Vorgehensweise der Staatsregierung aber für übereilt, ohne ausreichende Vorbereitung. Wir wehren uns deshalb (wie viele andere Gymnasien in Bayern) gegen eine Einführung zum Schuljahr 2004/2005, denn zu viele praktische und pädagogische Fragen sind unbeantwortet. Der Elternbeirat möchten Sie mit diesem Elternbrief über die, in unseren Augen wichtigsten, fatalen Folgen informieren:

  • G8 bedeutet eine drastische Steigerung der Leistungsanforderungen: Ohne Stoffkürzungen soll nun in acht Jahren gelernt werden, wofür bisher neun Jahre Zeit war. Im Schnitt erhöht sich der Pflichtunterricht um 4 Wochenstunden (am Nachmittag; in den 10. Klassen werden es voraussichtlich 37 Wochenstunden!). Die täglichen Hausaufgaben sind damit noch nicht erledigt! Die Familien werden die erhöhte Belastung der Kinder (etwa durch zusätzlichen Förderunterricht) auffangen müssen. Trotz dieser Verlängerung des Unterrichts sinkt die Stundenzahl pro Fach über die gesamte Schulzeit teilweise erheblich.

  • Wahlunterricht, musische, sportliche und andere außerschulische Aktivitäten werden aus Zeitmangel wegen der zunehmenden ÑVerschulungì des täglichen Lebens immer weniger möglich sein. Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen wird dadurch erheblich eingeschränkt.

  • Trotz erhöhten Personalbedarfs durch G8 soll es keine zusätzlichen Neueinstellungen von Lehrkräften geben. Die Unterrichtsverpflichtung steigt auf den höchsten Stand seit 50 Jahren. Hinzu kommen noch weitere Aufgaben am Nachmittag. Viele Lehrerinnen und Lehrer arbeiten schon heute entgegen der landläufigen Meinung weit über 50 Stunden pro Schulwoche. Die zusätzliche Arbeit kann nur durch eine Verringerung der schulischen Qualität bewältigt werden. Nicht nur die zahlreichen Aktivitäten, die heute den Schulalltag lebendig gestalten, werden darunter leiden, sondern auch der Unterricht selbst. Maflnahmen, wie die Präsenzpflicht für Lehrkräfte am Nachmittag, reiflen Gräben auf, weil dahinter die Vorstellung steht, die Lehrer würden nicht genug arbeiten. Gleichzeitig fehlt dazu das pädagogische Konzept. Davon werden alle Schülerinnen und Schüler ab dem nächsten Schuljahr betroffen sein.

  • In besonderem Mafle werden die heutigen 5. und 6. Klassen durch die Neuregelung benachteiligt: Sie werden gleichzeitig (2011) ihr Abitur machen und damit wesentlich stärker um die Studien- und Ausbildungsplätze konkurrieren. Hinzu kommt, dass Schülern der heutigen 6. Klasse in einer höheren Jahrgangsstufe die Wiederholung einer Klasse sehr erschwert wird, da ihnen dann schon ein Jahr Unterricht in der zweiten Fremdsprache fehlt.

  • Die zeitliche (und vielleicht auch sachliche) Verknüpfung der G8-Einführung mit den Sparbeschlüssen (Nachtragshaushalt 2004 mit Streichung der Lernmittelfreiheit, globaler Kürzung der Mittel für Aushilfskräfte und unterhälftig Beschäftigte und teilweiser Aussetzung der Bezuschussung des Baus von Privatschulen) wirkt psychologisch fatal und ist sachlich nicht durchzuhalten.

  • Bei den aktuellen Plänen des Ministeriums ist kein Rückgriff auf bereits gewonnene Erfahrungen aus den Modellversuchen in anderen Bundesländern, wie z.B. Baden-Württemberg ersichtlich, wo die Einführung von G8 seit mehr als vier Jahren mit allen Beteiligten vorbereitet wurde. Die deutlich kürzer laufenden Modellversuche in Bayern sind nicht in der Breite umsetzbar, da sie auf idealisierten Unterrichtsbedingungen beruhen wie

    • besonders talentierten und motivierten Schülern

    • kleineren Klassen

    • besonderer räumlicher, personeller und finanzieller Ausstattung.
Bitte protestieren Sie per Email an eine der folgenden Adressen oder mit der angehängten Postkarte.
Kultusministerium: poststelle@stmukwk.bayern.de
Bayer.Staatskanzlei: poststelle@stk.bayern.de

Ihr Elternbeirat

Sehr geehrter Herr Dr. Stoiber!
Jüngste Verlautbarungen der bayerischen Staatsregierung lassen befürchten, dass unseren Kindern ein achtjähriges Spargymnasium droht.
Schulversuche zeigen, dass Verkürzung ohne angemessene Stoffreduktion viele Kinder überfordert. Mehr Stoff lässt sich nur in kleineren Klassen vermitteln. Auch droht die Streichung außerunterrichtlicher Aktivitäten, die die persönliche Entwicklung der Schüler maflgeblich fördern.
Schliefllich sind Zusatzkosten für Verpflegung, adäquate Betreuung und Schülertransporte, die eine dann unausweichliche Ausdehnung des Unterrichts mit sich bringt, nicht geklärt. Die gleichzeitig geplante Streichung der Lernmittelfreiheit belastet gerade Familien mit mehreren Kindern entgegen allen Ankündigungen besonders.
Gegen eine übereilte Einführung zum Schuljahr 2004/2005 protestieren wir!

Wir haben auf den Internet-Seiten unserer Schule (www.ludwigsgymnasium-muenchen.de , dort Elternbeirat - News) einige Internet-Links zum Thema zusammengestellt . Bitte informieren Sie sich dort über die Vorgaben der Politik, Berichte von G8-Versuchsschulen, Anschreiben anderer Gymnasien in Bayern etc.

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