G8-Protest
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"Leserbrief von Dr. Annette Beck, Vorsitzende des Elternbeirates Spessart-Gymnasium Alzenau"

Leserbrief zu : Gymnasialreform - Podiumsdiskussion

Manfred Christ warnt vor Attacken gegen Stoiber MAIN-ECHO vom 17.1.2004

Im Schuljahr 2001/2002 begann das Bayerische Kultusministerium mit einer groß angelegten Aktion "Schulinnovation, innere Schulreform". Frau Hohlmeier erklärte nach jahrelangen Diskussionen, dass das 4-Fächer-Abitur beibehalten werde und nicht auf 5 Fächer ausgedehnt werden würde. Im Herbst 2003 erklärte Herr Stoiber, dass das 9-jährige Gymnasium beibehalten werden würde.

Alles hinfällig! Jetzt wurde rückwirkend das 8-jährige Gymnasium überstürzt eingeführt und ein 6-Fächer-Abitur scheint geplant zu sein. Dies alles ohne Information der Lehrer, Eltern, Schüler und ihrer Verbände, quasi im Alleingang des Ministerpräsidenten!

Ohne nochmals auf die bereits ausführlich geführte Diskussion der Vor- und Nachteile einzugehen muss Folgendes mit aller Deutlichkeit gesagt werden: Der schnell organisierte Protest von Schülern, Eltern und Lehrern bzw. ihrer Verbände mit konstruktiven Gegenvorschlägen hat glücklicherweise gerade noch rechtzeitig bewirken können, dass einzelne Landtagsabgeordnete in Wildbad Kreuth die Bedenken und Sorgen ihrer Wahlkreisbewohner einbringen konnten. Einzelne Schritte der "Bildungsreform" werden deshalb noch einmal mit überdacht und geändert werden.

Dieser kleine Erfolg ist der Beweis dafür, dass noch ein Fünkchen Hoffnung besteht, dass die demokratischen Grundrechte bei uns in Bayern noch nicht völlig zum Erliegen gekommen sind, bedenkt man doch, dass die Kultusministerin die Diskussion über das G 8 für beendet erklärt hatte und dass den Lehrern kurz vor Weihnachten öffentliche Kritik quasi verboten wurde!

Wenn nun der Landtagsabgeordnete Christ diese Maßnahmen noch auf die Spitze treibt und den Gymnasien am bayerischen Untermain droht, ihre Interessen im Landtag nicht mehr zu vertreten, wenn Kritik an Stoiber und Hohlmeier geübt würden, so ist das für mich der Gipfel der Demokratiefeindlichkeit. Wenn die von uns gewählten Volksvertreter uns so vertreten, glaube ich, dass die Politikverdrossenheit unserer Jugend eher zu- als abnimmt.

Bei der von den Schülern organisierten Demonstration konnte man das große Engagement spüren, sich nicht bevormunden lassen zu wollen, sondern ernst genommen zu werden und aktiv mitgestalten zu wollen.

Wenn jetzt nicht alle Beteiligten bzw. deren Verbandsvertreter bei der Umsetzung des G 8 mit eingebunden werden, besteht die Gefahr, dass wir bei der nächsten PISA-Studie ganz weit hinten landen und - was noch viel schlimmer ist -, dass unsere Abiturienten die Schule zwar vielleicht mit mehr wirtschaftlich verwertbarem Wissen verlassen, aber in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und in der Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen, Defizite haben. Dies muss verhindert werden! Unsere Kinder sind keine "Wirtschaftsresourcen", sondern wertvolle junge Menschen, die das auf sie zukommende Lernpensum auch bewältigen können müssen. Dies gelingt nur mit einer sorgfältig vorbereiteten Reform und nicht mit einer "Hau-Ruck"-Aktion.

Dr. Annette Beck
Vorsitzende des Elternbeirates
Spessart-Gymnasium Alzenau

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