G8-Protest
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Die Augsburger Allgemeine schreibt am 9.1.04:
Geteilte Meinungen zur geplanten G8

Von unserer Mitarbeiterin Karola Berger Neuburg/Schrobenhausen:

Als die "schönste Zeit des Lebens" bezeichnen sie diejenigen, die sie schon hinter sich haben, gerne. Die Schulzeit. Nun soll sie für die Gymnasiasten um ein Jahr verkürzt werden. Die Schüler sollen früher zur Schule, früher auf die Universität und in den Beruf. So der Plan des Kultusministeriums.

Auf die Gymnasien im Landkreis käme durch die geplanten Reformen ein erheblich größerer Organisationsaufwand zu. "Alle Vorschläge und Pläne, die bisher im Bezug auf das achtjährige Gymnasium bekannt wurden, sind noch nicht endgültig." erklärt Franz Hofmeier, der Direktor des Neuburger Descartes-Gymnasiums. "Aber wenn diese Reformen letztendlich durchgesetzt werden, was zu erwarten ist, dann müssen einige Probleme gelöst werden." Zum Beispiel müssten für das neu geschaffene Fach "Natur und Technik" neue Fachräume geschaffen werden. "Aber derzeit liegen weder konkrete Pläne noch Stundentafeln vor. Wir stochern noch im Nebel." räumt Hofmeier ein.

Dieselbe Erfahrung macht auch Axel Naundorf, Direktor des Gymnasiums Schrobenhausen: "Bisher gibt es nur Entwürfe. Es ist also noch zu früh, sich mit eventuell auftretenden Problemen zu befassen." Insgesamt hält Naundorf die Verkürzung der Schulzeit für machbar: "Die neuen Lehrpläne sind so angelegt, dass eine Straffung ohne Qualitätsverlust der gymnasialen Bildung möglich ist." Gerade bei den Lehrplänen sieht Franz Hofmeier Möglichkeiten zur Kürzung: "Es gibt viele Bestandteile, die für eine gründliche Allgemeinbildung entbehrlich sind. Einige bisher slebtverständliche Bestandteile müssten wegfallen. Gerade in der Oberstufegibt es oft eine Spezialisierung, die für das Gymnasium nicht unbedingt nötig ist." meint Hofmeier. Als Geschichtslehrer weiß er, dass zum Beispiel in diesem Fach oft zu sehr ins Detail gegangen wird und darüber das Wesentliche verschwimmt. "Hier sollten Einzelheiten gekürzt und das Wesentliche vertieft werden. Davon profitieren auch die Schüler, weil dann einfach mehr hängen bleibt." ist Hofmeier überzeugt.

17-jährige Abiturienten

Mit der früheren Einschulung und der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit ändert sich automatisch die Altersstrukur am Gymnasium. "Wenn es zum G8 kommt, haben wir keine Erwachsenen mehr an der Schule.", erklärt Hofmeier, "Die guten Lernjahre jenseits der Pubertät verbringen die Schüler nicht mehr bei uns. Die Abiturienten sind zum Teil erst 17 Jahre alt. Dann müssen die Universitäten sehen, wie sie ihre Ansprüche, den zum Teil noch minderjährigen Studenten anpassen." Die beiden Schulleiter sind jedoch der Meinung, man könne der Reform recht gelassen entgegen sehen und solle einfach abwarten, was kommen wird.

Sehr viel weniger moderat äußert sich Hans Kriss, Mitinitiator einer Demonstration in Schrobenhausen am 15. Januar, dem Tag des Besuchs von Edmund Stoiber in Schrobenhausen: "Wir wollen zeigen, dass es auch in Bayern noch andere Meinungen gibt als die der Regierung. Das trifft nicht nur auf die Schulreform zu, sondern auch auf Kürzungen in allen Ebenen. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten darf an Bildung und Kultur nicht gespart werden. Lieber fahren wir auf schlechten Straßen etwas langsamer, als dass wir zu Lasten der Bildung unserer Kinder in neue viel Geld investieren. Was die Kinder nämlich in der Schule nicht mitbekommen, holen sie später nicht mehr auf." ist Hans Kriss überzeugt. Aus diesem Grund demonstriert er mit anderen Schülereltern, Lehrern und Schülern gegen die G8.

Die Schüler der K12 des Descartes-Gymnasiums befassen sich ebenfalls mit der geplanten Schulreform. "Es betrifft uns zwar nicht mehr", meint Felix Brandmayr, "aber ich habe meine Bedenken." Nathalie Baclet sieht die Reform auch aus der Sicht der Eltern: "Als Vater oder Mutter sehe ich mein Kind dann nur abends, weil es den ganzen Tag in der Schule verbringt." Auch sähen sich die Schüler in ihren Freizeitakttivitäten sehr eingeschränkt. "Man kann nur noch die Hobbys ausüben, die an der Schule angeboten werden. Und auch die Freunde, mit denen man nicht zur Schule geht, sieht man nur selten."

Andreas Leikam äußert Bedenken zur Übergangszeit, wenn zwei Jahrgänge gleichzeitig Abitur machen, eine G8- und eine G9 -Klasse. "Dann kommen doppelt so viele Schulabgänger auf die selbe Zahl von Arbeits- und Studienplätzen." befürchtet er.

"Außerdem wäre die Schulzeit dann sicher nicht mehr die schönste im Leben, wenn so viel Lernerei ansteht und so wenig Freizeit eingeplant ist." meint Andreas Leikam.

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