G8-Protest
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Die Nürnberger Nachrichten haben als einzige (mir bekannte) bayerische Zeitung am 15. Januar 2004 schon diese Meldung im Blatt:

Kommentar:
Spät, aber nicht zu spät CSU will das wichtige Projekt G 8 jetzt richtig anpacken

Spät kommt sie, doch sie kommt: die Einsicht der CSU, dass beim Projekt verkürztes Gymnasium einiges nicht optimal gelaufen ist. Am Ziel G 8 wollen die Christsozialen festhalten, und das ist gut so. Es zeichnet sich aber eine Verschiebung ab. Mehr Zeit ist auch nötig, um eine so gravierende Änderung des Schulsystems gründlich vorzubereiten.

Erst wenn diese Aufgabe erledigt ist, kann die verantwortliche Ministerin, Monika Hohlmeier, den Eltern, den Schülern und am Ende vielleicht sogar dem Philologenverband die Umstellung auf das G 8 schmackhaft machen. Die Kultusministerin, beim Umbau des an vielen Ecken und Enden erneuerungsbedürftigen Schulwesens bisher durchaus geschickt, hat sich im Falle G 8 grobe Schnitzer geleistet. Es war im Grunde eine Unverschämtheit, auf dem Höhepunkt der Proteste par ordre du mufti zu verkünden: "Die Debatte ist beendet." In Wahrheit war gar nichts beendet.

Wenn CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann jetzt sagt, er sehe noch "Diskussionsbedarf über das Wie, das Was und das Wo", dann beschreibt er die Situation richtig. Nebenbei ist das auch die Aufforderung an die Ministerin, Schüler, Eltern und Lehrer bei dieser wichtigen Reform wirklich mitzunehmen, statt sie zu verärgern oder gar vor den Kopf zu stoßen.

Es ist nämlich so, dass Bayern mit einer Verkürzung des Gymnasiums relativ spät kommt. In den meisten anderen Bundesländern fährt der Zug schon in diese Richtung, von anderen EU-Ländern gar nicht zu reden. Der Freistaat ist in diesem Punkt also keineswegs Spitze, er läuft eher anderen hinterher. Jetzt kommt es darauf an, die Verkürzung des Gymnasiums mit einer pädagogischen Verbesserung zu verbinden. Es gibt noch viel zu viel Frontalunterricht, Detailwissen wird kurzfristig gepaukt, dann geprüft und bald wieder vergessen. Eigenständiges Arbeiten im Team und das Denken in Zusammenhängen kommen zu kurz. Das neue G 8 ist nicht mit den alten Methoden zu machen. Es geht um einen Qualitätssprung - und auch dabei müssen Schüler, Eltern und Lehrer mitgenommen werden.

PETER ABSPACHER
15.1.2004 0:00 MEZ

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