G8-Protest
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Der Münchner Merkur berichtet am 21.1.04 von der Podiumsdiskussion in Freising:

Volkes Zorn macht sich Luft
VON ANDREAS BESCHORNER

Freising - Es ist weit mehr als eine Protestwelle. Es ist schon eine Flut an Verärgerung und Unverständnis, die derzeit über den weiß-blauen Freistaat und seine Zwei-Drittel-Staatsregierung hereinbricht. "G 8" heißt das Zauberwort, das die Emotionen hoch kochen lässt und am Montag auch in Freising Lehrer, Eltern und Schüler auf die Barrikaden brachte. Bei einer Podiumsdiskussion in der Aula des Dom-Gymnasiums vor rund 500 Zuhörern machte sich Volkes Zorn Luft: Einer - nämlich der bildungspolitische Sprecher der CSU, Siegfried Schneider - stand gegen Alle.

Schneider, allgemein zusammen mit Edmund Stoiber und Erwin Huber als Urheber des Übels "G 8" angesehen, durfte zunächst seine Position darlegen: Nach 20 Jahren, in denen diese Debatte nun schon geführt werde, habe die Politik letztendlich entscheiden müssen. "Wir haben ein Konzept", widersprach der Einzelkämpfer auf dem Podium entsprechenden Vorwürfen. Offene Fragen würden in den nächsten Wochen noch diskutiert. Dass man das achtstufige Gymnasium bereits 2004/2005 einführe, sei im Sinne der Schüler. Als Studenten sei der doppelte Abitur-Jahrgang dann nämlich früher dran als die "G 8"-Abgänger aus anderen Bundesländern.

Die restlichen sechs Vertreter auf dem Podium machten mobil: Für die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner handele es sich bei dem "völlig überstürzten und pädagogisch konzeptlosen G 8" um nichts anderes als "massiven Wahlbetrug". Interessantes von Oberstudienrat Alexander Geist, der am Erdinger Gymnasium beschäftigt ist, wo das "G 8" seit vier Jahren erprobt wird: Die Erdinger "G 8"-Schüler seien "hoch interessiert, motiviert und qualifiziert". Und trotzdem: "Selbst diesen Schülern geht es an die Substanz." Geist mochte es sich gar nicht vorstellen, wenn dieser Sonderfall zum Regelfall werde. Allein die Tatsache, dass im "G 8" die zweite Fremdsprache schon in der sechsten Klasse beginne (wäre aber auch im neuen G9-lehrplan so gewesen - ohne Protest der Philologen, die ihn mit ausgearbeitet haben, Anm. U. Walther), werde zu einem "Blutbad" führen.

Intensivierungsstunden sind "Mogelpackung"

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, stieß in das selbe Horn: Auch er sprach von Wahlbetrug, habe Stoiber doch noch vor den Landtagswahlen verkündet, Bayern werde am "G 9" festhalten. Die Lehrer seien auf das "G 8" in keiner Weise vorbereitet, das Hauptargument, dass die Studienabgänger in Deutschland zu alt seien, liege nicht am Gymnasium. Und die geplanten Intensivierungsstunden? Für Meidinger eine "Mogelpackung".

Der stellvertretende Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung, Peter Römisch, konnte den "G 8"-Plänen der CSU-Regierung auch nichts Positives abgewinnen. Man könne den Lehrplan "nicht beliebig verringern", er sei gegen ein "Abi light" und befürchte eine Überforderung der Kinder. JoHo-Schülersprecher Thomas Schropp konnte ebenfalls nicht glauben, dass der Stoff in acht Jahren zu schaffen sei. Seine Angst: So wenig Freizeit, "dass man zu gar nichts mehr kommt".

Einen zarten Hauch von Rückenwind erhielt Schneider lediglich von Jürgen Weyer, Geschäftsführer von Motorola SPS Deutschland: Man müsse "schneller werden" im Wirtschaftsstandort Deutschland, das sei schon richtig. Aber ein Jahr weniger Schule bringe nichts. "Unvorstellbar", dass die Lehrer nicht eingebunden worden seien.

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