G8-Protest
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Nürnberger Nachrichten am 24.1.04: "Ein gigantischer Wortbruch"

Ein gigantischer Wortbruch

Tausende harren trotz eisiger Temperaturen bei Demonstration gegen G8 aus

Massendemonstration gegen den Sparkurs in der bayerischen Bildungspolitik und gegen die für Herbst geplante Einführung des achtjährigen Gymnasiums: Rund 5000 Schüler, Eltern und Lehrer protestierten gestern nach Veranstalterangaben vor der Lorenzkirche. Laut Polizei waren es "über 4000 Personen".

Trotz frostiger Temperaturen wartete die Menschenmenge geduldig das Ende der anderthalbstündigen Kundgebung ab und marschierte anschließend zum Rathaus: Dort hängten zahlreiche Teilnehmer symbolisch ihr "letztes Hemd" auf. Die Veranstaltung, zu der ein breites Bündnis von Lehrerverbänden, Elternbeiräten und Schülergruppen aufgerufen hatte, richtete sich nämlich nicht nur gegen den Rotstift der Landesregierung. Auch dem Nürnberger Stadtrat wollte man vermitteln, dass nach den Einsparungen im Schulbereich in Höhe von 15 Millionen Euro seit 1999 keine weiteren Kürzungen mehr möglich seien. In der kommenden Woche beraten die Fraktionen nämlich über zusätzliche Abstriche im Gesamthaushalt.

"Mit dieser Demo zeigen wir bildungspolitischen Rambos und Spontis die rote Karte", rief Jonas Lanig, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unter lautem Beifall der Menge. Carl-Philippe Kunad, Sprecher der Stadt-Schülermitverantwortung, unterstrich den baulich schlechten Zustand vieler Schulen: "Darin können wir nicht abgelagert werden, wenn wir beim G 8 auch nachmittags drin bleiben müssen." "Gigantischen politischen Wortbruch" warf Michael Thoma vom bayerischen Philologenverband der CSU vor: Bis zu den Landtagswahlen hätte Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärt, das achtjährige Gymnasium sei kein Thema. Thoma empörte sich über Staatssekretär Karl Freller, der Direktoren und Lehrer zur Teilnahme an der zeitgleich stattfindenden, kurzfristig angesetzten Info-Veranstaltung zum G 8 "dienstverpflichtet" habe.

HARTMUT VOIGT

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