G8-Protest
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Main Echo Aschaffenburg am 22.1.2004: "Einführung des G 8 kommt in Bayern viel zu früh"

Einführung des G 8 kommt in Bayern viel zu früh

Philologenverband sieht weder Sinn noch Konzept

Würzburg. Die Einführung des achtjährigen Gymnasiums in Bayern kommt nach Überzeugung des unterfränkischen Philologenverbands (bpv) viel zu früh. Der Ersatz des »erfolgreichen neunjährigen Gymnasiums« durch ein »noch nicht erprobtes und noch nicht auf seine flächendeckende Eignung überprüftes Gymnasium« erfolge gegen den mehrheitlichen Willen von Lehrern, Eltern und Schülern, so Heiner Ratsch, bpv-Bezirksvorsitzende, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Über die stufenweise Einführung eines verkürzten Gymnasiums könne erst dann nachgedacht werden, meinte Ratsch, wenn der Bedarf für ein solches Gymnasium vorhanden und die nötige Infrastruktur geschaffen sei.

Beides fehle aber derzeit, und es sei auch nicht abzusehen, dass bis zum Schuljahresbeginn 2004/2005 ein für die neue Schulform geeignetes Konzept auf dem Tisch liege.

»Bislang zirkulieren allenfalls Entwürfe, wie das neue Gymnasium in Zukunft einmal aussehen wird«, kritisierte Ratsch die seiner Auffassung nach überzogene Hektik bei der Einführung des auf acht Jahre verkürzten Gymnasiums. Offenbar folge die Politik nur den »einseitigen Forderungen aus der Wirtschaft und dem Finanzministerium, ohne die geringste Abstimmung mit den Fachverbänden und Vertretern von Schülern, Eltern oder Lehrkräften«.

Massive finanzielle Belastungen sieht er auf Eltern, Lehrer und Kommunen zukommen. So müssten Familien mit noch nicht zu kalkulierenden neuen Kosten für Bücher und Verpflegung rechnen.

Die Kommunen als Sachaufwandsträger stünden gar vor unlösbaren Aufgaben: Auf sie kommen nach Berechnungen des Bayerischen Philologenverbands nicht nur zusätzliche Kosten für die Schulwege und neue Bücher zu, auch müssten an zahlreichen Schulen Aufenthaltsräume und Kantinen geschaffen werden, um die Schüler in den Mittags- und Nachmittagsstunden zu betreuen. Arbeits- und Aufenthaltsräume für Lehrkräfte fehlten in den Schulen ebenfalls.

Für Heiner Ratsch besteht überhaupt keine Notwendigkeit, das bisherige neunjährige bayerische Gymnasium abzuschaffen, das in »allen nationalen und internationalen Vergleichsstudien hervorragend abgeschnitten« habe. Auch das Argument, die Gesamtausbildungszeiten deutscher Hochschulabsolventen sei zu lang, will Ratsch für das derzeitige Gymnasium nicht gelten lassen. So habe sich die Ausbildungsdauer am neunjährigen Gymnasium nicht erhöht, die Durchfallquote sei gering.

gufri

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