G8-Protest
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B5 aktuell: "Reform im Eiltempo"

Reform im Eiltempo

Nach dem Beschluss der CSU-Fraktion, bereits im kommenden Schuljahr flächendeckend das achtjährige Gymnasium einzuführen, eskaliert der Streit zwischen Lehrern und Politikern. Während Kultusministerin Hohlmeier erste Eckpunkte für eine Schulreform vorgelegt hat, befürchtet der Philologenverband "die totale Demontage der Qualität des Gymnasiums".

Selbst die CSU sucht inzwischen nach Möglichkeiten, die Umstellung etwas sanfter zu gestalten. So hält es Siegfried Schneider, der Vorsitzende des bildungspolitischen Ausschusses (CSU), für möglich, dass im September zwar alle Fünftklässler an einem achtjährigen Gymnasium (G8) beginnen. Der sechsten Jahrgangsstufe könnte aber noch ein Jahr Bedenkzeit eingeräumt werden.

So soll etwas Druck aus der Diskussion genommen werden. Dennoch sind die Streitpunkte zwischen Regierung und Lehrern zahlreich:

Im Kultusministerium wird darüber nachgedacht, das G8 bereits im laufenden Schuljahr zu beginnen. Das ist aber noch nicht entschieden. Für eine Einbeziehung der jetzigen Fünftklässler spreche, so Ministerin Hohlmeier, dass Bayern im Jahr 2011 als erstes und einziges Land einen doppelten Abiturjahrgang haben werde.

Bei einer Verkürzung des Gymnasiums müssen naturgemäß auch Stunden insbesondere in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften wegfallen. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Max Schmidt: "Bis zur Oberstufe erhalte ein Gymnasiast nur 22 Wochenstunden Deutschunterricht und damit deutlich weniger als ein Real- oder Hauptschüler."

G8-Modellprojekt in Ansbach In Ansbach gibt es eine Modellschule, die das G8 für begabte Schülerinnen und Schüler ausprobiert. Nach fünf Monaten sind die Reaktionen durchaus positiv.

Allheilmittel Intensivierungsstunden Die CSU lässt die Kritik nicht gelten: "Das gleichen die neuen Intensivierungsstunden aus", so Siegfried Schneider. In der 5. und 6. Klasse sind drei dieser Stunden pro Woche geplant, danach bis zur 10. Klasse je zwei, in denen die Schüler in Kleingruppen Defizite aufarbeiten können. Zudem sollen in diesen Stunden auch die Potenziale von Hochbegabten gefördert werden. In diesen Kursen stünden dann der Klasse zwei Lehrkräfte zur Verfügung - was die Angelegenheit teuer macht.

Thema Lehrpläne Der Lernstoff wurde für das neunjährige Gymnasium bereits um 50 Prozent gestrafft. Allerdings ist der neue Lehrplan in den Fächern Deutsch und Geschichte noch nicht umgesetzt worden. Zusätzlich müssen jetzt noch einmal zehn Prozent gekürzt werden.

Von der fünften bis zur siebten Klasse wird das Fach "Natur und Technik" eingeführt, mit vier beziehungsweise drei Wochenstunden. Dabei sollen übergreifend und verzahnt Biologie, Chemie, Physik und Informatik unterrichtet werden. Das neue Konzept, sagt Kultusministerin Monika Hohlmeier, ziele auf Neugier und Experimentierfreude der Schüler statt auf sture Stoffpaukerei.

Thema Oberstufe Die Leistungskurse sollen wegfallen. Sie werden durch zwei Seminare ersetzt, die eine engere Verbindung der Schule mit Uni und Wirtschaft ermöglichen. Auch das "Fünf-Fächer-Abitur" werde diskutiert, so Ministerin Hohlmeier. Künftig haben auch die Kernfächer wieder mehr Gewicht. Jeweils vier Wochenstunden in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen und Mathematik sind nach der Vorstellung des Ministeriums in der Oberstufe Pflicht. Die Wahlmöglichkeiten würden eingeschränkt, das Kurssystem bleibe jedoch erhalte n.

Dennoch werden die Gymnasien nicht zu Ganztagsschulen umgebaut. Durchschnittlich wird es zwei zusätzliche Wochenstunden geben. Das bedeutet, dass in höheren Klassen nicht wie bisher an zwei, sondern an drei Tagen eine siebte und achte Stunde anfällt.

Mittagsbetreuung ist ungelöst Wie die Schüler aber um die Mittagszeit betreut werden sollen und die Verpflegung aussehen wird, ist derzeit noch völlig offen und sorgt somit für weiteren Konfliktstoff. Zwar können die Schulen beim Bund finanzielle Unterstützung für den Bau von Kantinen beantragen. Doch Mittagsverpflegung und Personal müssten von den Kommunen bezahlt werden, die zusätzliche Belastungen wohl kaum verkraften können.

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