G8-Protest
Rückblick auf Veranstaltungen - Bamberg
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Wir wehren uns gegen einen Qualitätsverlust der Bildung am Gymnasium

Die Vertretungen von Eltern, Schülern und Lehrern der Bamberger Gymnasien zu den angekündigten Änderungen der Bayerischen Staatsregierung.

Was erwartet die Grundschüler und jetzigen 5. Klässler am Gymnasium:

Die Schulzeit am staatlichen Gymnasium wird künftig generell von 9 auf 8 Jahre verkürzt. Dieses Modell, das an einigen Gymnasien Bayerns versuchsweise lief, sollte den Eltern die Wahl eröffnen, geeignete Kinder an einem Gymnasium mit G 8 einzuschulen. Diese Wahlmöglichkeit entfällt nun. Die Eltern, der jetzigen 5. Klassen, die sich beim Übertritt ihrer Kinder an das Gymnasium bewußt für die 9 - jährige Form entschieden hatten, wurden vorsätzlich getäuscht.

In Zukunft wird Nachmittags - Unterricht für alle die Regel sein: Die Klasse 5 wird an einem Nachmittag zwei Stunden Pflichtunterricht haben, die Klassen 6 bis 8 auf jeden Fall an zwei Nachmittagen, die 9. und 10. Klassen an mindestens drei Nachmittagen. Zu dieser lernpsychologisch ungünstigen Zeit finden normaler Fachunterricht statt und sogenannte Intensivierungsstunden in den Kernfächern (Mathematik, Deutsch, Englisch/Latein). Die Klassen sollen dabei je nach Leistungsfähigkeit in Gruppen aufgeteilt werden. Zusätzlich gibt es weiterhin Hausaufgaben und Vorbereitungen auf Schulaufgaben.

Der Leistungsdruck nimmt spürbar zu. Die Kinder müssen in kürzerer Zeit mehr lernen, das Leistungsniveau wird absinken, vor allem durch Überlastung und Konzentrationsstörungen an den Nachmittagen. Die Zahl der Wiederholer wird zunehmen. Kinder und Eltern wünschen sich engagierte Lehrer. Durch deren längere Arbeitszeit und die höhere Beanspruchung werden aber freiwilliger Förderunterricht, eine Vielzahl von Wahlfächern, so wie Klassenfahrten entfallen.

Die jetzt schon zum Teil enorm geforderten Kinder werden durch die längere Schulzeit kaum mehr Zeit für vernünftige Freizeitgestaltung finden. Die individuelle Entwicklung und Bildung der Persönlichkeit junger Menschen bleibt dabei auf der Strecke. (Sport, Musik, kirchl. Gruppen, künstlerische Hobbys, Kino, Theater usw.) Besonders betroffen davon werden die Kinder aus dem Umland mit langem Schulweg sein, und das sind über 70 Prozent der Bamberger Gymnasiasten.

An allen Bamberger Gymnasien fehlen zum G 8 nicht nur Lehrkräfte sondern auch die zusätzlichen Unterrichtsräume. Weiter fehlen Ruhe- und Gemeinschaftsräume, Küchen und Kantinen und damit die Voraussetzung für eine gesunde warme Mahlzeit und Erholung. Dies wird zu Unmut und zusätzlichem Stress für Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen führen.

Bisherige G 8 Versuche in Bayern, z. B. in Erding, und vor allem im Saarland zeigen, dass sich viele Kinder mehr Zeit wünschen und auch schon wieder vom G 8 in die normale Schule gewechselt sind. Lehrer stellen fest: nach 6 Stunden Unterricht am Vormittag gibt es am Nachmittag erhebliche Konzentrationsstörungen, die Aufnahmefähigkeit ist nur noch gering.

Wir befürchten, dass durch ein verschärftes G8 und auf Grund der fehlenden Infrastruktur die Qualität der gymnasialen Ausbildung in Bayern auf der Strecke bleibt. Die allgemeine Hochschulreife mit freiem Zugang zu allen Studiengängen der Universität muss auch künftig mit dem Abitur erreicht sein. Es bleibt das Geheimnis der Bayerischen Staatsregierung, wie trotz Sparhaushalt und gleicher Anzahl von Gymnasiallehrern mehr Kinder in kürzerer Zeit qualitativ besser ausgebildet werden sollen. Völlig unklar ist auch, wie die Städte und Gemeinden die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen und finanzieren wollen.

Die Bayerische Staatsregierung startet mit dem "G 8 für alle" einen unbefristeten Reform - Versuch an und mit Kindern, den wir als Eltern, Lehrer und Schüler entschieden ablehnen.

Wir fordern deshalb die Rücknahme der angekündigten Maßnahmen!

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