G8-Protest
Rückblick auf Veranstaltungen - Bamberg
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Medienpapier anläslich der G 8 Demo von Eltern, Lehrern und Schülern der Bamberger Gymnasien am Freitag, 9. Januar 2004 mit Kundgebung am Gabelmann

Ohne Konzept in die bildungspolitische Geisterbahn

Eltern, Schüler und Lehrer protestieren gegen Schulzeitverkürzung

Mit einem Sternmarsch zum Gabelmann begann am Freitag die bislang größte Bamberger Protestaktion gegen die Gymnasialreform der Bayerischen Staatsregierung. Teilgenommen haben Eltern, Schüler und Lehrer aller Bamberger Gymnasien. Begleitet von Trommeln und Trompeten und bestückt mit originell getexteten Transparenten und Spruchbändern (Gute N8 Bayern) zogen sie um 13 Uhr von den jeweiligen Schulen in die Bamberger Innenstadt.

Über 2000 Menschen versammelten sich kurz vor 14 Uhr zur großen Kundgebung vor dem Gabelmann und wurden musikalisch von der Schülerband des Franz-Ludwig-Gymnasiums begrüßt.

Zur Eröffnung präsentierten die Schülersprecher von E.T.A. Hoffmann-Gymnasium, Englisches Institut und Franz-Ludwig-Gymnasium eine gespenstische "G 8 Geisterbahn". Nach dem Motto "Augen zu und durch" machten Sie deutlich, dass für eine wirklich gute Schulreform an den Gymnasien alle Voraussetzungen fehlen. Sie skizzierten die Widersprüche der Landespolitiker und sahen schon Oberbürgermeister Herbert Lauer und Landrat Dr. Günter Denzler mangels Geld mit der Sammelbüchse durch die Fußgängerzone ziehen.

Was auf Kinder und Lehrkräfte gleichermaßen neu zukomme machte Agathe Kocher vom Personalrat des FLG deutlich: Regelmäßiger Nachmittagsunterricht, weniger Freizeit und zusätzlicher Leistungsdruck, da seien Stress und Konfliktsituationen vorprogrammiert, so die erfahrene Pädagogin. Wo und wie Schüler und Lehrer eine vernünftige Mittagspause einlegen könnten wisse niemand. Lehrerzimmer als Küche und Turnhalle als Kantine oder gleich zu Mc Donalds stürmen?

Der Personalratsvorsitzende des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums, Christian Mose bemägelte den Stil, wie das Kultusministerium mit den Lehrern umginge. Der schlechte Ruf der Bayerischen Pädagogen sei hausgemacht. Viele engagierte Lehrer, die auch in ihrer Freizeit für Schüler Wahlfächer und Förderunterricht anböten würden schon gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Augenfällig seinen nur einige wenige "Müßiggänger". So wie öffentlich auf Lehrer herum getrampelt werde, sei es ein Wunder, dass bayerische Gymnasiasten bei der Pisa-Studie einen europäischen Spitzenplatz einnähmen.

Gegen eine generelle Bevormundung der Eltern durch das Kultusministerium sprach sich Melanie Blum, die Elternbeiratsvorsitzende des FLG aus. Längere Unterrichtszeiten oder Ganztagsschule seien für einige Kinder willkommen und auch sinnvoll. Es müsse aber für alle Eltern frei wählbar sein, ob ihr Kind das Abitur in 8 oder 9 Jahren mache und ob es ganz- oder halbtags zur Schule geht. "Wir lassen uns unsere Kinder nicht zwangsverschulen, bei uns gibt es auch noch genügend Familien, in denen die Kinder gerne nachmittags zu Hause sind".

In einer Schlußerklärung bemängelte Heinrich Ellner vom Elternbeirat des ETA den Kenntnis- stand der Landtagsabgeordneten zur bayerischen Bildungspolitik. Sie seien völlig überfordert und wenn überhaupt, dann nur oberflächlich informiert. Verwunderlich sei das aber nicht, denn auch der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber habe bis heute kein Konzept, wie eine Gymnasialreform aussehen soll, geschweige denn, wie diese finanziert werden könne. Ein Sparkonzept auf Kosten der Kinder sei ebenso indiskutabel wie die persönliche Profilierung eines Ministerpräsidenten zu Lasten der Schüler, so Ellner weiter. Die Bamberger Landtagsabgeordneten rief er dazu auf, für ihre Wähler zu stimmen. "Auch wenn das eine Stimme gegen Stoiber ist, so ist es doch eine Stimme für unsere Kinder."

MdL Heinrich Rudrof und MdL Melanie Beck nahmen die zahlreichen Unterschriftenlisten und Protestnoten der Schüler, Eltern und Lehrer in Empfang. v.i.S.d.P. Heinrich Ellner, Staffelbergweg 9, 96049 Bamberg heinrich.ellner@t-online.de T 0951 50 90 881

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