G8-Protest
Rückblick auf Veranstaltungen - Bamberg
<< Zurück zur Rückblick-Übersichtsseite

Pressedienst: Protest in Bayreuth gegen undurchdachtes G8
Datum: Montag, 12. Januar 2004 18:25

Leidenschaftliche Plädoyers für 13 Jahre Schulterschluss von Politik, Schülern und Lehrern - Qualitätsverlust durch G 8 befürchtet

BAYREUTH Politik, Schüler und Lehrer übten am Samstagmittag den Schulterschluss - mit leidenschaftlichen Plädoyers für das neunstufige Gymnasium. Denn: "Bayern braucht mehr Abiturienten, mit dem G 8 werden es noch weniger sein", wie die Bayreuther Grünen-Landtagsabgeordnete Ulrike Gote sagte.

Für Gote ist klar: "Stoiber handelt unüberlegt, ohne auf den Rat derer zu hören, die es besser wissen. Er hat das Wohl des Landes und der Menschen aus den Augen verloren. Und was tun die CSU-Abgeordneten? Sie folgen ihm wie die Lämmer, haben das eigenständige Denken eingestellt. Per Dekret wie in der Monarchie soll jetzt ein Schulsystem umgekrempelt werden - und Frau Hohlmeier erteilt Denkverbote." Werde das G 8 jetzt eingeführt, würde nicht nur die Zeit verkürzt, es würden ganze Fächer gestrichen, Naturwissenschaften vermischt, sagte Gote, die genüsslich darauf hinwies, dass nicht nur Ministerpräsident Stoiber, sondern auch sein Wissenschaftsminister Goppel zehn Jahre im Gymnasium verbracht hätten. Um die Schulzeit verkürzen zu können, brauche es ein "gut durchdachtes pädagogisches Konzept, das gemeinsam mit Schülern und Lehrern entwickelt werden" müsse.

"Nicht gegen das G 8 an sich, aber gegen die unvorteilhafte Planung" sprach sich Katrin Labsch, Schülersprecherin am RWG, aus. "Ich kann mir vorstellen, dass die Schüler im G 8 nach der jetzigen Planung keine Zeit mehr für sich haben. Schule soll Spaß machen, nicht Angst. Ich finde es anmaßend, dass Politiker, die vom Schulalltag keine Ahnung haben, so planen. Geht doch noch einmal zu Schule, vier Wochen lang - fragt doch mal, was wir wollen", sagte sie, "und nehmt uns nicht die Zeit", die die Kinder zur Entwicklung bräuchten. Entwicklung war auch das Stichwort von Maria Lampl, Elternsprecherin am MWG: "Die jetzige fünfte Klasse hat neue Lehrpläne bekommen, deren Entwicklung hat vier Jahre gedauert - in einem halben Jahr soll ein neuer Lehrplan für das G 8 stehen. Glauben Sie das?", fragte sie und forderte die Schüler und Lehrer auf, sich weiter "gegen das zu wehren, was ungerecht ist".

Ursula Fritzsche, Schulleiterin am Frankenwald-Gymnasium Kronach und Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, sagte, dass das "Gymnasium als Schulform mit acht Jahren nicht mit gleicher Qualität wie bisher möglich sein wird". Die Schule als Lebensraum gehe verloren, wenn die Kinder mindestens zwei Nachmittage und 37 Stunden pro Woche in der Schule verbringen müssten. Nicht nur musische, sondern auch sportliche Erziehung, Schultheater und vieles mehr blieben auf der Strecke, "bei den Lehrern bleiben Korrekturen liegen, die Unterrichtsvorbereitung muss reduziert werden", sagte sie und forderte: "Wir werden nicht locker lassen, wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Macht weiter mit den Protesten! Das Schulsystem darf nicht weiter entschlackt werden - auch in Bayern ist ein Kreis kein Quadrat."

Info und Diskussion Am kommenden Montag, 19. Januar, findet um 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus eine Podiumsdiskussion mit CSU-Landtagsabgeordnetem Walter Nadler zum Thema achtstufiges Gymnasium statt. Vom morgigen Dienstag bis zum Donnerstag bietet das Kultusministerium nach einer Information der Landes-Elternvereinigung täglich zwischen 14 und 20 Uhr eine Info-Hotline zum Thema G 8 an. Die Telefonnummer: 0 89/21 86 26 30. wah << Zurück zur Rückblick-Übersichtsseite